COM DEBATTE – „Ausgewogen oder mit Präferenzen- Wie informieren sich unentschlossene Wähler?“ mit Prof. Dr. Thorsten Faas (Uni Mainz)

Unser Gast bei der COM DEBATTE „Ausgewogen oder mit Präferenzen – Wie entscheiden sich unentschlossene Wähler*innen?“ im Juli war Professor Thorsten Faas. Der Professor und Wahlforscher an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hält nicht nur Vorlesungen, sondern betreibt auch einen eigenen Youtube-Kanal: Auf Was mit Wahlen findet sich auch zu dem Thema der COM Debatte ein kurzes Video.

Torsten Faas zeigte uns die Trends im deutschen Wahlverhalten: Seit 2005 steigt die Zahl der sogenannten Spätentscheider rasant. Das bedeutet, es ist nicht mehr gesetzt, dass man als Wahlberechtigter „eben zur Wahl geht“.

Im Zentrum aktueller Debatten um diese Entwicklung steht dabei oft der besorgte Blick auf die Filterbubbles insbesondere in Sozialen Medien. Panik ist hier aber nicht angebracht: Laut Torsten Faas seien diese Phänomene nicht grundlegend neu, fänden nur an einer anderen Stelle statt. Auch in der Forschung beschäftige man sich schon seit mehreren Jahrzehnten damit. Als Beispiel nannte er dazu verschiedene Forschungsprojekte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich mit „dem Wähler und seiner Familie“ beschäftigten.

Bereits in diesen Studien kam man zu dem Schluss, dass jeder Mensch sich gerne Rückzugsorte sucht, aus welchen nur wenig Gegenwind zu der eigenen Überzeugung zu erwarten ist. Dieses Bedürfnis lässt sich auf in den heutigen Filterbubbles bei Facebook und Co. beobachten.

Einige Eigenschaften machen die neuen „Blasen“ jedoch zu einer besonderen Herausforderung: Soziale Medien dienen immer stärker der Informationsverbreitung und –aufnahme. Durch die Möglichkeit, den Inhalt des eigenen „Newsfeeds“ zu personalisieren, findet „Kollateralwissen“ jedoch nicht mehr statt.

Wie also informieren sich unentschlossene Wähler heute für ihre Wahlentscheidung? Torsten Faas erläuterte uns dazu seine Forschungserkenntnisse aus verschiedenen Projekten: Ist ein Wähler beispielsweise durch unvorhergesehene Ereignisse oder aktuelle Begebenheiten unsicher, überwiegen bei seiner Entscheidung Sachfragen sowie die zur Wahl stehenden Personen. Die Prädisposition spielt dann eine untergeordnete Rolle. Fühlt sich ein Wähler hingegen sicher, zählt bei seiner Wahlentscheidung die jeweilige Prädisposition. Dementsprechend informieren sich Unentschlossene ausgewogener, d.h. an Sachfragen orientiert und ggf. auch außerhalb der eigenen „Blase“. Anders als festgelegte konservative Wähler, die zur Information verstärkt „eigene“ Kanäle nutzen.

Wir danken unserem Referenten für die spannenden Ausführungen!

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