COM JOUR FIXE mit Special Guest Marcus Groß – Daten-Experte liefert Prognosen für die Bundestagswahl

COM JF 12 06 2017 Quer2sw

Beim COM Jour Fixe am 12. Juni erklärte uns unser Special Guest Marcus Groß vom INWT, wie er mit seinem Prognosemodell die Ergebnisse der Bundestagswahl vorhersagen will und was ihn dabei von anderen Umfrageinstituten unterscheidet.

Was sagt das Modell aktuell über den Wahlausgang im September? Knapp dreieinhalb Monate vor der Bundestagswahl sieht die Prognose von Marcus Groß die CDU deutlich vor der SPD.

Die Daten zieht das Prognosemodell aus den Wahl-Umfragen verschiedener Institute. Diese Modellierung ermöglicht es, sowohl kurz- als auch langfristige Wahrscheinlichkeitsaussagen über alle möglichen Ausgänge der Bundestagswahl 2017 zu treffen.

Im Gegensatz zu anderen Umfragen, die eine mögliche Abweichung von bis zu 4% oftmals in der medialen Kommunikation nicht erwähnen, wird das Prognosemodell von Marcus Groß um ein realistisches Unsicherheitsintervall ergänzt. So wird Ergebnis beispielsweise der SPD mit 80%-iger Wahrscheinlichkeit zwischen 21,3 und 28,5 %, das Ergebnis der CDU zwischen 33,8 und knapp 41,8% liegen Die Ergebnisse werden dadurch laut Marcus Groß zwar auf den ersten Blick unbefriedigender, aber ehrlicher. Der Wahlausgang könne von keiner Prognose sicher vorhergesagt werden, so der Daten-Experte.

Dass sich die Prognosen des Modells von Marcus Groß nicht in einer glatten Linie entwickeln, lässt sich so erklären: Trends und Tendenzen einzelner Parteien werden von Ereignissen beeinflusst – mal positiv, wie beim Schulzeffekt, mal negativ, wie in Zeiten der Flüchtlingskrise. Der Einfluss solcher Ereignisse schwächt sich aber mit der Zeit auch wieder ab.

Zukünftige unvorhersehbare Ereignisse sind auch ein Grund dafür, dass die Wahrscheinlichkeitsverteilung größer, d.h. eine Voraussage unsicherer ist, je weiter die entsprechende Wahl in der Zukunft liegt. Daher wird auch die Sonntagsfrage, die Umfrageinstitute oft veröffentlichen und die im Gegensatz zu langfristigen Wahlprognosen nur die Stimmung zum aktuellen Zeitpunkt einfängt, als sehr unpräzise Vorhersage wahrgenommen.

Diese wichtige Erkenntnis des Jour Fixe lässt sich mit dem von Marcus Groß eingangs präsentierten Zitat von Nate Silvers treffend untermauern: “But one of the reasons to build a model — perhaps the most important reason — is to measure uncertainty and to account for risk. If polling were perfect, you wouldn’t need to do this.“

Das bedeutet für die Interpretation von Umfragen und Prognosen: Selbst ein sehr wahrscheinliches Ereignis muss nicht eintreten.

Mit 100.000 Simulationen der Bundestagswahl 2017 hat Markus Groß zusätzlich zusätzlich zu den Wahlergebnissen, die Wahrscheinlichkeit verschiedener Ereignisse bestimmt:

Sehr wahrscheinlich bringt die Wahl beispielsweise mehr Farbe in den Plenarsaal: Laut der aktuellen Prognose von Marcus Groß werden sechs Fraktionen in den Bundestag einziehen. Seine Prognose für die nächste Regierungskoalition verspricht allerdings wenig Änderung: Eine GroKo, sagen die Daten, ist weiterhin am wahrscheinlichsten.

Das Prognosemodell wird einmal wöchentlich aktualisiert. Außerdem wird ein weiteres Umfrageprojekt zu Koalitionswahrscheinlichkeiten gerade durchgeführt. Die Infos dazu gibt es im Blog des INWT.

Nach der Bundestagswahl wollen wir bei einer COM Debatte zur Wahl gemeinsam mit verschiedenen Umfrageexperten und Meinungsforschern, darunter auch Marcus Groß, die Wahlergebnisse auswerten und die jeweiligen Prognosen auf den Prüfstand stellen.

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